Herz & Tinte-BLOG

Einmal Kritik, nie mehr getraut... - 19.2.24

Ich wünsche mir, dass dieser Text all die Menschen anspricht, die früher in ihrem Leben einmal den Weg zu Stift und Papier gefunden hatten. Die mutig waren oder einfach intuitiv, und die geschrieben haben. Ganz gleich, ob Gedichtinterpretationen oder Texterörterungen im Deutschunterricht, Kurzgeschichten oder Liebesbriefe. Die spürten, dass sie damit Zugang zu einer wichtigen Quelle gefunden hatten, zu der für sie passenden Ausdrucksform, ihrer inneren Stimme. Die Spaß hatten am Rumfantasieren, Wörter-sinnlos-Aneinanderreihen, die starke Bilder schufen oder leise Töne. Und die eines Tages - nach tagelangem Zögern, aus dem spontanen Bedürfnis oder zur Benotung - ihr Geschriebenes einem anderen Menschen zeigten. Jemandem, der nicht adäquat darauf reagierte, achtlos das zarte Pflänzchen Kreativität zertrat mit einem einzigen skeptischen Satz, einem Rotstift, einem gutgemeinten Verbesserungsvorschlag.

Schreibblockade.

Ich habe inzwischen genügend Schreibkurse angeleitet, um die frustrierende Erkenntnis teilen zu können, dass es eine immense Dunkelziffer an ursprünglich gerne schreibenden Menschen gibt, die alle mehr oder weniger das Gleiche erzählen: "Eigentlich habe ich früher sehr gern geschrieben. Aber es gab da diesen einen Tag, an dem
- der Deutschlehrer "Thema verfehlt" unter einen Text kritzelte, auf den ich so stolz gewesen war
- die neidische Schulkameradin über das erste selbstgeschriebenen Gedicht lästerte
- der Vater fragte, was das denn solle, davon können man doch nicht leben
- der Partner irritiert anmerkte, ob denn die privaten Beziehungsthemen jetzt als Inspirationsquelle dienen sollten
- die Unidozentin meinte, wer keine Rechtschreibung beherrsche, könne das Schreiben gleich bleiben lassen...."

Und das Schlimmste: All diese Kommentare, Argumente, Hinweise haben nichts mit der Person zu tun, die anschließend etwas sehr Wertvolles für sich verlor. Sie sind Ausdruck eines veralteten, unkreativen (Hoch-)Schulsystems, falschen Annahmen, eigenen Unzufriedenheiten des Gegenübers. Aber sie haben eine immens zerstörerische Wirkung!
Was bin ich froh, dass die Menschen, die von solch traurigen und doofen Erfahrungen berichten, letztlich dann - oftmals nach Jahrzehnten! - in einem Schreibkurs gelandet sind! Weil ihr inneres Drängen eben doch keine Ruhe gegeben hat. Ein Bätsch an alle Rotstifte und Stirnrunzler!
Denn ganz ehrlich: Wir haben alle genug mit unserem Inneren Kritiker zu kämpfen. Von außen braucht es stattdessen viel, viel Ermutigung, Lob, Begeisterung oder zumindest Neutralität. Und wer nicht bereit ist, auf diese Weise zu unterstützen... der oder die braucht vielleicht einfach nichts von unserem Geheimnis Schreiben zu wissen, oder?


Menschlichkeit! - 12.2.24

Na klar, auch ich frage mich regelmäßig, ob meine Arbeit wirklich Sinn macht, ob sie in Zeiten, in denen es so sehr ans Eingemachte geht, nicht irgendwie unter „Luxus“ läuft. 
Zum Glück gibt es da die Rückmeldungen meiner Teilnehmer*innen! Die sich so freuen über alles, was sie schreibend über sich selbst herausfinden dürfen, die staunen über die eigene Innenwelt, Kreativität, ihren Mut, Lebenserfahrung und und und… Die dankbar sind für diesen wertungsfreien Raum, in dem weder Gutsein noch Sich-beweisen-Müssen eine Rolle spielen. Und in dem wir uns begegnen in den bunten Facetten der Menschlichkeit.

Das ist bei aller Grübelei dann immer das Stichwort, das meine Sorge fröhlich davonschweben und mich den Sinn meines Tuns erkennen lässt. Ja! Um Menschlichkeit geht es mir, ums Mensch-sein-Dürfen, blank, zart, albern, kraftvoll, gebeutelt, müde, neugierig, ECHT.
So kommen wir zueinander, entdecken Gemeinsamkeiten, wo sie nie erwartet worden wären, so erwacht Empathie und werden Vorurteile abgebaut, bevor sie überhaupt Zeit haben, zu wachsen.

Das fühlt sich nach wichtigem Beitrag an - groß im Kleinen!😊 

Ganz schön grau? - 12.12.23

Ich liebe meine Arbeit. 
Menschen ins Schreiben zu bringen, ihnen auf den Weg zu helfen, um ihre eigene Innenwelt und Fantasie zu erkunden, macht mich tief glücklich. Stünde jemand vor der Tür meines Büros, wenn ich wie heute Abend einen Onlinekurs in Kreativem Schreiben halte - er oder sie würde alles vermuten, aber nicht, dass ich gerade arbeite!🙃
Da hört man fröhliche, staunende, ergriffene, lachende, reflektierende, bunte Menschen. (Und da nur ich direkt im Raum hinter besagter Tür sitze, hört man natürlich vor allem: mich). Es ist der Wahnsinn! Diese Menschen lesen vor, was ihnen soeben spontan aus der Feder geflossen ist. Sie sind mutig und wissen gleichzeitig, dass ihnen nichts passieren kann. Dass sie niemals kritisiert würden in diesem Raum für einen frisch verfassten Text, ein so zartes Pflänzchen. Sie sind stolz auf das aus ihrem eigenen Innersten Geschaffene.  Sie stärken und inspirieren sich wechselseitig. Sie sind dankbar, zufrieden, vergnügt, ergriffen, funkelnd in ihrer Individualität!✨

Ich beende einen solchen Kurs mit einem einzigen Klick - und bleibe zurück, all diese schillernden Farben wie Seifenblasen um mich. Herrlich.🫧

Wir setzen dem Grau im Außen - ob es der Winter ist, die politische Weltlage, das Klima oder unsere persönlichen Herausforderungen - ziemlich viel entgegen, fühle ich. Und dürfen dieses Bunt im Herzen nachklingen und uns davon verändern lassen.🧡

Erinnerungen im Jetzt. - 22.12.23

Einer der unglaublichen Effekte, die beim Schreiben passiert: 

Wir tauchen ein in glückliche, besondere Momente und ihre Gefühle der Vergangenheit, schreiben sie nieder, erinnern längst vergessen gemeinte Wichtigkeiten und kleinste Details- Dürfte, Geräusche, Berührungen, Farben, Geschmäcker. Lassen uns neu davon erfüllen und schließen somit die Lücke zwischen Früher und Heute. 

Es entsteht das wunderbar runde Gefühl, dass alles im eigenen Leben über Zeit und Raum verbunden ist, man findet (zu) sich.🌀

Leben im kreativen Ausdruck - 8.6.23

Den ganzen Tag sammeln wir Menschen Eindrücke, ununterbrochen. Die meiste Zeit bemerken wir das nicht bewusst. Eindrücke auf allen Sinnesebenen, die uns prägen, verändern. Aber wir drücken genau diese Eindrücke so selten aus.

Durch bewusstes Kreativsein, durch den Raum, den wir uns geben, Dinge auch wieder herauszulassen aus unserem Inneren, entsteht ein Wechselspiel, das unglaublich bereichernd ist. Zum einen hilft dieses Sich-Ausdrücken, wieder Platz zu schaffen für alle die weiteren Eindrücke, die ungefragt in uns eindringen. Zum anderen lässt es uns staunen darüber, was wir aus diesen Eindrücken machen - auf welch individuelle Art und Weise wir sie verarbeiten. Es hilft uns, uns mitzuteilen - und unser Ausdruck hinterlässt wiederum Eindruck bei anderen! Dadurch verzahnt sich vieles auf eine Art und Weise, die uns Menschen tiefe Verbundenheit spüren lässt.

Wäre der Wunsch danach, sich kreativ auszudrücken, nicht etwas ganz Elementares, ein tief im Menschen verankertes Bedürfnis, würden wir nicht schon als kleine Kinder damit beginnen, etwas zu gestalten und zu verändern nach unseren eigenen Vorstellungen, in Fantasiewelten abzutauchen oder mit den ersten Wachsmalkreiden Erlebtes und Gesehenes auf einem Blatt Papier abzubilden - um es anschließend stolz zu präsentieren. Ebenso ist es mit dem Tanzen. Sehr viele Kinder bewegen sich gern und unglaublich intuitiv zur Musik, das ist pure Freude!

Kinder haben einen sehr leichten Zugang zu ihrer Kreativität - die rechte Gehirnhälfte ist stark ausgeprägt und leitet die ersten Jahre, bis Schulbildung, gesellschaftlicher Anspruch und Berufsleben im Bereich des logischen, lösungsorientierten, pragmatischen Denkens in den Vordergrund drängen und Assoziieren, Fantasieren, Intuition und Freigeist dominieren.
Dadurch kommt den meisten Menschen nach und nach das Bewusstsein abhanden, wie wichtig es ist, die rechte Gehirnhälfte weiter zu bedienen und sich dem Kreativen, Sinnlichen, Emotionalem hinzuwenden. Weil wir alle, wenn wir damit in Berührung kommen, auf ganz tiefe Art das Gefühl von Bereicherung erfahren.

Ausdruck und Eindruck.

Das Leben führt Regie - flüstere ihm Ideen zu! - 5.5.23

 
Abends im Bett haben mein kleiner Sohn und ich eine Gewohnheit: „Mama, erzählst du mir vom Tag?“ Daraufhin gehe ich Schritt für Schritt unseren erlebten Tag durch, vom morgendlichen Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen, je nach meinem eigenen Müdigkeitsgrat mit heimlichen Zeitsprüngen. Letztens gähnte mein Sohn im Anschluss: „Und jetzt erzähl mir noch von morgen, Mama, ja?“ Da wurde es mir so deutlich, wie es oft nur mit Kindern zu greifen ist: „Das geht nicht. Wir wissen ja noch gar nicht, was wir erleben werden! Davon können wir erst morgen Abend wieder erzählen…“. Mein Sohn nickte weise, kuschelte sich in seine Decke und schloss zufrieden die Augen. Ganz einfach.
Wann haben wir aufgehört, frisch und frei in den neuen Tag hineinzuleben, offen für alles, was sich da entfalten mag? Wir Erwachsenen machen Pläne - und wir glauben an sie! Aber das heißt nicht, dass es auch so kommen wird. Zwei Paar Stiefel sind das.

Die Mutter einer Freundin hatte viele Jahre mit Krebs gekämpft. Wenige Male habe ich sie getroffen, immer war ich beeindruckt von der Offenheit und Fröhlichkeit, die sie ausstrahlte. Und ihren alten orangenen Golf übernahm ich eines Tages von Herzen gern. Als diese Frau dann im Sterben lag, erzählte mir meine Freundin, ihre Mutter und sie seien dabei, Sterbekarten zu gestalten. In bunten Farben. Und mit nur einem Satz darauf: DAS LEBEN FÜHRT REGIE. Mir kamen die Tränen bei diesen vier Worten. So vieles schien in ihnen auf schlichteste Weise verpackt: Erkenntnis. Demut. Etwa sogar ein kleines Schulterzucken? Tief beeindruckt vom Prozess und der Stärke dieser sterbenden Frau behielt ich den kleinen Satz von da an ganz tief in meinem Herzen.

Regiearbeit, Schauspiel, Theater… das war lange meine bunt schillernde Liebe. Tagelang saß ich im abgedunkelten Zuschauerraum, lauschte gebannt den Änderungsvorschlägen der Regisseurin und beobachtete, wie sich Wirkung und Ablauf auf der Bühne dadurch in eine andere Richtung verschoben. Nur das Drehbuch an sich – das wurde in dieser Arbeitsphase nicht mehr umgeschrieben, es stand bereits. Das Leben geht da radikaler vor. Es wirft komplette Lebensentwürfe über den Haufen, streut Schicksalsschläge ein, ebenso glückliche Fügungen, kleine und große Überraschungen, initiiert Begegnungen und Irritationen. Und es fragt nicht, geht vorab nicht in Dialog mit uns Menschen. 

Immer häufiger begreife ich diesen Satz inzwischen so: Ja! Das Leben führt die Regie. Aber wir können ihm zuspielen. Als Regieassistenz sozusagen. Vorschläge machen, Angebote. Eventuell greift das Leben sie auf, fügt neue Figuren auf der Bühne hinzu, neue Erkenntnisse, Jobmöglichkeiten, Freundschaften, Orte, Kinder… seine Trickkiste ist unendlich. Andersherum gilt: Ohne Angebote weniger Möglichkeiten, die sich auftun können. Wünsche, die immer nur im Verborgenen schlummern dürfen und nie das Tageslicht erblicken, kann das Leben nicht weiterspinnen. Die Geschichten von Menschen, die jedoch kleine und große Träume angehen, darüber sprechen, ausprobieren, wagen – die werden oftmals so ungeheuerlich, dass sie zum beliebten Gesprächsstoff mutieren! Denn es scheint, als wären diese Menschen belohnt worden vom Leben für ihren Mut, ihr Vertrauen, ihr Sich-Ausprobieren, indem dieses eine ordentliche Prise an glücklichen Fügungen darauf streute. Frei nach dem Motto:
„Vertraue auf das, was Du liebst, und es wird Dich dorthin bringen, wo Du hingehen musst.“ 

Auch in meinen Kursen und Workshops zum Kreativen Schreiben zeigt sich diese Einstellung allzu deutlich. Es ist faszinieren: Pläne stehen dem freien Schreibfluss, den Träumen, der Kreativität wie kopfschüttelnde Bodyguards mit verschränkten Armen im Wege. Nichts kann entstehen, kaum eine Zeile wird geschrieben, solang die Schreibenden durchdacht ans Werk gehen wollen. Schaffen wir es aber gemeinsam, mit geschickten Kniffen den Kopf aus- und das Herz einzuschalten – dann gibt es kein Halten mehr. Was nun auf`s Papier fließt, ist fantastisch, genial, beglückend, beflügelnd! Und das Beste daran ist: Oftmals wandern die einmal aufgedeckten Ideen hinüber in das wahre Leben und entfalten sich auf wundersame Weise… Na, hast Du Lust bekommen, mit mir auf dem Papier mutig zu werden?:-)

Das Fazit dieses Textes lautet: Mache Pläne, probiere aus! Trau Dich! Erfreue Dich bewusst daran, wenn die Sache aufgeht! (Und wenn nicht: Macht nix.) 

Vorhang auf für Dein wunderbar buntes Stück!